„Degital Detox“- Experiment

Ich bin euch noch der Bericht über das „Digital Detox“-Experiment schuldig.
Zur Erinnerung: Ich hatte festgestellt, dass meine Lernenden den Zeitvertreib mit dem Smartphone nicht mehr wirklich im Griff hatten. Im Gegenteil das Gerät hatte eher sie im Griff. Für die Jugendlichen ist das Smartphone ein wichtiges Tool um mit ihren Peers zu kommunizieren. Ganz darauf zu verzichten wäre für sie schwierig und macht meiner Meinung nach wenig Sinn. Deshalb war es mir wichtig, dass sie sich bewusst werden, wann sie das Gerät wozu nutzen und wie viel Zeit sie dazu einsetzen. Dazu verzichten wir eine oder eine halbe Stunde pro Tag auf das Handy. Diese Stunde durfte nicht auf die Schlafenszeit oder die Unterrichtszeit gelegt werden. Als Klassenlehrerin machte ich natürlich an diesem Experiment ebenfalls mit.

Um den grösst möglichen Effekt des „Digital Detox“-Experiment zu erfahren, wählte ich für mich die beiden Stunden am Tag, an welchen ich das Smartphone am meisten nutze: die Mittagsstunde oder die Stunde nach Unterrichtsende. Um es vorneweg zu nehmen: Nein, ich als Klassenlehrperson habe es nicht geschafft… aber deshalb ist das Experiment für mich selber nicht ganz gescheitert. Zwischen Montag und Donnerstag ist mir das Experiment eigentlich ganz gut geglückt. Doch dann kam am Donnerstagabend die E-Mail, dass ich auch in diesem Jahr als „Microsoft Inovative Educator Expert“ (MIEE) ausgewählt worden bin. Die Freude darüber war gross und natürlich war ich mit einigen anderen MIEE aus aller Welt, meiner Familie und Freunden im Kontakt. Am Freitag hat also alles andere als „Digital Detoxing“ statt gefunden. Auch wenn ich sowohl am Samstag als auch am Sonntag das Smartphone sehr bewusst auf die Seite gelegt habe. Ebenfalls ist mir aufgefallen, dass ich in der letzten Woche (ohne Experiment) mein Handy bewusster mal auf die Seite gelegt habe.

Wie ist es meiner 8. Klasse damit gegangen? Die Aussage „Eigentlich habe ich es ständig bei mir. Aber…“ kam von allen. „Aber… wenn ich mit meinen Freunden draussen bin, benutz ich es nicht wirklich. Von daher war das keine Herausforderung…“ Diese Aussage lass ich einmal so stehen.
Spannend wäre jetzt noch, wie oft hatten die Jugendlichen beim Experiment ihr Smartphone unbewusst (aus Gewohnheit) in der Hand um zum Beispiel die Uhrzeit nach zu schauen (da die meisten von ihnen keine Armbanduhr mehr tragen). Wenn wir ehrlich sind ersetzt dieses kleine „Kästchen“ mit grossem Bildschirm doch so einige Funktionen, wofür wir vor einige Jahren noch mehrere Tools benutzt haben.

Im Rahmen der Medienbildung werde ich mit den Jugendlichen im Verlauf des Schuljahres erneut dieses oder ein ähnliches Experiment machen. Es ist wichtig, dass sie bzw. auch wir sich/ uns bewusst sind, wieviele Eindrücke und Informationen ständig auf uns wirken und durch was wir uns immer wieder vom wesentlichen ablenken lassen.
In diesem Zusammenhang müssen sich, meiner Meinung nach, die Schulen darauf vorbereiten, dass immer mehr multifunktionale Tools in Form von „intelligenten Uhren“, in Kleider eingenähten Tools, usw. den Weg in die Klassenzimmer finden. Langfristig müssen wir uns damit auseinandersetzten, welche Regeln wir in den Schulräumlichkeiten aufstellen und wie wir diese Tools für den zukünftigen Unterricht verwenden können. Wer mich kennt, weiss dass ich wenig vom strikten Verbieten halte, sondern mich für die Schulung des bewussten Umgangs damit auspreche. Dies weil ich der Meinung bin, dass ein striktes Verbot in der Durchsetzung utopisch ist. Die Geräte finden trotzdem den Weg in die Schulhäuser. Die optimalste, zukunftsorientierte Lösung? Ich setze mich im Moment immer mehr damit auseinander, suche Ideen und Formen. Aber die optimalste Lösung habe ich (für mich) noch nicht gefunden. Vielleicht hat jemand von euch schon eine Form oder einen Ansatz dazu. Wenn ja? Ich wäre sehr an euren Ideen, Gedankengängen, usw. interessiert.

Advertisements

2 Gedanken zu “„Degital Detox“- Experiment

  1. Ich wollte im Vorjahr die Smartphones mit MaximaOnAndroid anstelle eines Taschrechners benutzen. Ich war einige Wochen Aushilfslehrer (bin ja im Ruhestand) in einer Klasse. Nur etwa 50% hatten ein solches Gerät.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s